Wissenswertes

Die Geschichte des Karate

Karate entwickelte sich aus chinesischen Kampfkünsten, die bereits vor mehr als zweitausend Jahren gelehrt wurden.
Durch Mönche wurden sie bis nach Okinawa, einer Inselkette zwischen Taiwan und Japan, 600 km südöstlich von China verbreitet.
Als 1470 der König Sho Shi auf Okinawa seinem Volk das Tragen und den Gebrauch jeglicher Waffen verbot, entwickelten die adligen Okinawaner aus den überlieferten chinesischen Techniken die Kampfkunst „Tode“. Die Unterschicht, vorwiegend Bauern und Fischer, prägten die Kampfkunst „Ryukyu Kobudo“. Beide Kampfkünste wurden unter strenger Geheimhaltung trainiert und galten als effektive Selbstverteidigungsmethoden, um sich gegen Überfälle oder Übergriffe zu schützen.

Als 1609 das okinawanische Volk vom Satsuma-Clan erneut entwaffnet und schwer unterdrückt wurde, vereinten sich in der Not die Meister beider Kampfkünste und nannten die dabei entstandene neue Kampfkunst „Okinawa-te“, was soviel wie „Die Technik Okinawas“ bedeutete. Mit ihr wollte man sich gegen die teilweise brutalen Vorgehensweise der Samurai zur Wehr setzen. Einige Meister des Okinawa-te bereisten hierzu sogar für viele Jahre China, um Erfahrungen für ihre Kampfkunst zu sammeln. Als sie zurückkehrten gaben sie ihr Wissen im Kreise ihrer Familien weiter. Erst im 20. Jahrhundert entwickelte sich dann der heute bekannte Begriff „Kara-te“, der mit „Die leere Hand“ übersetzt wird.

Do – „Der Weg“

In vielen Kampfkünsten ist das Wort „Do“ fester Bestandteil der jeweiligen Begriffe, wie z.B. in Judo oder Aikido . Selten spricht man jedoch von Karate-Do, viel häufiger nur von Karate. Dabei hat das Wort „Do“ ( Übersetzung : „Der Weg“ ) eine zentrale Bedeutung in einer Kampfkunst. Betreibt man Karate ohne „Do“, dann betrachtet man vorrangig nur die reine Technikschulung. Dabei wird versucht, jede Technik in Kihon, Kata, Bunkai und Kumite so präzise wie möglich zu trainieren. Karate -Do ist in Wirklichkeit jedoch mehr als eine starre Form von festgelegten, genau definierten Techniken.

Die alltäglichen Situationen im Leben verlaufen nicht nach starren, genau festgelegten Regeln. Hier muss man flexibel und anpassungsfähig sein. Gerade in Ernstfallsituationen bedarf es mehr als nur der reinen Technik. Eigenschaften wie Mut, Gelassenheit, Ruhe, Selbstdisziplin, Selbstkontrolle und Flexibilität sind dabei gefordert. Dies zu lernen erfordert viel Zeit. Vielfaches Wiederholen, Korrigieren, Ausprobieren, an sich arbeiten und sich überwinden ist notwendig. Hier beginnt der Weg – das eigentliche „Do“.

So ist das Do ständiger Kampfbegleiter, wobei nicht der Kampf zwischen zwei Personen, sondern der Kampf im Inneren des Einzelnen gemeint ist. Entscheidend ist dadurch nicht das Ziel, also die perfekte Ausführung einer Technik oder der Sieg über einen anderen, sondern die Geduld und das Bemühen, sich einer Aufgabe zu stellen und an ihr zu arbeiten, denn

„Der Weg ist das Ziel“

Gichin Funakoshi – „Der Vater des modernen Karate“

Gichin Funakoshi ist der Begründer des modernen Karate-Do. Seine Heimat und Wirkungsstätte ist auf Okinawa, einer Inselkette im Ostchinesischen Meer zu finden. Gichin Funakoshi war in Okinawaein Schüler der Karate-Meister Yasutsune Itosu und Yasutsune Azato. Von der Kampfkunst fasziniert, wollte er Karate-Do zu seinem Lebensweg machen.

Um jedoch seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, erlernte
Gichin Funakoshi den Beruf Lehrer. Es gelang ihm, die bis dahin im Geheimen trainierte Kampfkunst Anfang des 20. Jahrhunderts auf Okinawa zu verbreiten und Karate in den Sportunterricht der Schulen zu integrieren. 1922 wurde daraufhin Gichin Funakoshi vom japanischen Bildungsministerium eingeladen, in Tokio die Kampfkunst Karate vorzuführen. Die Japaner waren davon so beeindruckt, dass sich Gichin Funakoshi entschied, in Tokio zu bleiben. Hier arbeitete er als Karatelehrer, aber auch als Hausmeister, Gärtner und Putzmann. Erst nachdem Gichin Funakoshi die Kampfkunst in Japan bekannter gemacht hatte und die Erlaubnis bekam, an verschiedenen Universitäten Karate zu lehren, konnte er sich von seiner Tätigkeit als Karatelehrer ernähren.

Als bedeutendster Karatelehrer unserer Zeit gründete er durch sein Wirken und seine Art von Karate-Do den „Shotokan-Stil“, der sich durch eine hohe Dynamik mit starken und harten Techniken auszeichnete.

Gichin Funakoshi sah im Karate jedoch nicht nur eine effektive Verteidigungsmethode, sondern vielmehr einen Weg, um Körper und Charakter zu entwickeln, so prägte er den Satz :

Das höchste Ziel im Karate ist nicht der Sieg oder die Niederlage,
sondern die Perfektion des menschlichen Charakters.“

Sensei – „Der Erstgeborene“

Als wörtlich übersetzt bedeutet Sensei „Der Erstgeborene“, im Sinne von „Durch längere Trainingszeit den anderen vorangegangen bzw. vor den anderen im Stil geboren“. Sensei wird der Lehrer einer Gruppe, meist ab dem 3. Dan bezeichnet. Diese Position hat er sich durch viele Jahre harten Trainings und intensiver Auseinandersetzung mit der Kampfkunst Karate erworben. Ein Sensei zeichnet sich deshalb durch sein großes Wissen über die Kampfkunst und seine Erfahrung aus, was Anerkennung und Respekt verdient.

Der Sensei spielt im Training eines Karatekas deshalb eine wichtige Rolle. Es ist von entscheidender Bedeutung, dem Urteil des Sensei zu vertrauen, auch wenn seine Ausbildungs-methoden gelegentlich etwas streng erscheinen mögen

Shotokan – „Pinienrauschen“

„Shotokan“ ist die bekannteste und verbreitetste Karate-Stilrichtung in Deutschland. Meist wird der japanische Begriff mit „Das Haus des Pinienrauschens“ übersetzt („Sho“ = Pinie/Kiefer, „To“ = Welle,Woge und „Kan“= Haus). Die direkte Übersetzung gibt jedoch nicht die wahren und umfassenden Hintergründe des Namens wieder.

„Shoto“ war der Künstlername Gichin Funakoshis, dem Vater des modernen Karate. Mit diesem Pseudonym unterschrieb er seine verfassten Gedichte. Damit kommen wir der Bedeutung unserer Stilrichtung „Shotokan“ schon etwas näher : „Das Haus von Gichin Funakoshi“. Doch wie kam es zu diesem besonderen Künstlername ?

Die Pinie ist eine Kiefernart mit sehr starkem Wurzelwerk, die auf der japanischen Insel Okinawa beheimatet ist. Auf ihr lebte und wirkte einst Gichin Funakoshi als Karatelehrer. Man vermutet, dass Gichin Funakoshi (wie die Pinie) die Fähigkeit zu einem sehr starken Stand besaß. Mit „Welle“ wird die Welle nach einem Seebeben bezeichnet, die mit einer einzigen Bewegung alles zerstören kann. Die „Welle“ steht damit für die Kraft und Härte der Karatetechniken von Gichin Funakoshi. Den Namen „Shoto“ erhielt Gichin Funakoshi von seinen Karateschülern. Der Name war Ausdruck der Bewunderung für seine Art von Karate-Do, d.h für seine starken Techniken aus einem festen Stand heraus.

Gichin Funakoshi lehrte seinen Schülern vor allem in Kata-Übungen eine niedrige, breite Grundhaltung und starke Block- und Kontertechniken. So entwickelte sich im Laufe der Zeit der Begriff „Shotokan“ als eigenständige und charakteristische Stilrichtung. Der Schwerpunkt des Shotokan-Stils liegt deshalb im traditionellen Karatetraining noch heute auf dem Erlernen fester Standformen und starken Techniken in verschiedenen Kata-Übungen.

Man sagt deshalb auch :
„Der Shotokan-Stil bedingt einen starken und entschlossenen Geist“

Dojokun

Das Wort „Dojokun“ bedeutet wörtlich übersetzt : „Leitsätze für den Ort des Weges“. Unter „Dojokun“ versteht man die 5 Verhaltensregeln im Karate Do. Sie stammen aus alter Überlieferung und bilden das ethische Fundament der Kampfkunst und damit die Etikette im Dojo.

Die 5 Verhaltensregeln lauten :

Eins ist : Nach der Vollendung der Persönlichkeit streben.
Eins ist : Den Weg der Wahrhaftigkeit bewahren.
Eins ist : Den Geist der Bemühung entfalten.
Eins ist : Den respektvollen Umgang hochschätzen.
Eins ist : Sich vor unbesonnenem Mut in Acht nehmen.

(A.F.Albrecht : Dojokun. Die Ethik des Karate-do, Schlatt-books 2004)